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Der Backofen für den Campingplatz - Süddeutsche Zeitung / April 2013

Der Camper ist eine Spezies für sich. Sein ganzes Camperdasein will er draußen sein und frei, erleichtert vom Ballast der zivilisierten Welt. Ein Leben führen ohne vierzig Gläser für Rotwein, Sekt und Selters. Und dann schleichen sich klammheimlich die Produkte von Herstellern in den Campingbus, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, sämtliche Utensilien des zivilisierten Lebens maßstabgetreu auf den Campingplatz zu übertragen. Und der Camper lässt sie bereitwillig ein, denn ein bisschen bequem will er es ja schon haben. Bis er einen Anhänger braucht für all den Krempel, wo man doch dachte, ein Gaskocher und Spaghetti sollten reichen.

Ein hervorragendes Beispiel dafür ist der Camping-Backofen. Zwei Wörter, denen allein schon ein Widerspruch innewohnt. Wenn man campt, dann backt man nicht. Und wenn man backt, dann campt man nicht.

Trotzdem gibt es ihn also jetzt, Omnia (39,95Euro) heißt er, kommt aus Schweden, klar, und er besteht aus gerade drei Blechteilen: einer kreisrunden Unterschale aus Edelstahl, einem Backring und einem rot lackierten Deckel aus Aluminium. Der Camping-Backofen besticht also vor allem durch Einfachheit. Die drei Teile werden auf den Gasherd, wahlweise auch E-, Benzin- oder Gaskocher gestellt. Fertig.

Prinzipiell lässt sich im Omnia alles zubereiten, was auch der gewöhnliche Ofen schafft - von Kuchen über Brot bis zum Auflauf. Nur mit dem Unterschied, dass man den Omnia-Gerichten auf Anhieb ansieht, wo sie herkommen: Sie haben nämlich ein Loch in der Mitte. Was im Omnia war, sieht aus wie ein überdimensionaler Donut. Das ist bei Kuchen nichts Neues, beim Nudelauflauf ungewöhnlich, bei der Sardellenpizza nur schwer duldbar. Das Loch aber ist wichtig: Denn es garantiert, dass die Hitze nach oben steigt und dem Ofen sozusagen Oberhitze spendiert.

Erster Backversuch: Marmorkuchen. Die Zutaten sind schnell angerührt und in die vorher großzügig eingefettete und bestreuselte Form gegossen. Doch was stellt man ein? Der Gasherd im Wohnmobil erlaubt nur wenig Regulierungsmöglichkeiten. Also wählt man besser erst mal die niedrigste Stufe - und selbst da werden die drei Blechwannen binnen kürzester Zeit teuflisch heiß. Trotz fortlaufender Überwachung verpasst man den richtigen Backende-Zeitpunkt. Das Ergebnis: nach rund einer Stunde eine pechschwarze Kruste an der zur Gasflamme gewandten Seite der Form. Als die abgeschnitten ist, kann sich der Rest des Kuchens aber sehen lassen.

Der zweite Versuch, gewöhnliche Aufbackbrötchen, gelingen perfekt, sind backtechnisch aber wenig anspruchsvoll. Doch dann gelingt auch ein Kartoffelauflauf mit getrockneten Tomaten wunderbar.

Der Omnia Camping-Backofen überzeugt also, wie es Camping-Utensilien nur selten tun. Die drei Blechteile sind unverwüstlich, leicht zu reinigen und wiegen zusammen nur ein halbes Kilo. Was man dann allerdings unbedingt braucht, ist ein Camping-Kaffeegeschirr, auf dem man den Outdoor-Kuchen reichen kann. Und Camping-Kaffeelöffel und Kuchengabeln, einen Camping-Sahnemixer, ein Camping-Sofa und . . .


Der Beitrag erschien am 13.4.2013 in: Süddeutscher Zeitung

© 2011 Daniel Hautmann